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Prague news

02.09.2004 - Kirchen und Klöster

Die sakrale Baukunst machte in den tschechischen Ländern eine mehr als tausendjährige Entwicklung durch.

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Christianisiert wurden die böhmischen Länder am Ende des 9. Jahrhunderts dank der großmährischen Mission der slawischen Glaubensapostel Kyrill und Method. Bald danach wurden der Fürst Bořivoj und seine Gemahlin Ludmilla zum Christentum bekehrt. Zu jener Zeit ließen die Herrscher die ersten Kirchen errichten, nach und nach wurden in Mähren wie auch in Böhmen die ersten Ordensgemeinschaften sesshaft. Die von den katholischen Orden gegründeten Klöster entwickelten sich zu bedeutenden Bildungs- und Kulturzentren. Die Heiligenverehrung, die in der katholischen Kirche zu den bedeutendsten Äußerungsformen des religiösen Kultes gehörte, wurde für lange Zeit vom Hussitentum sowie von der mit ihm einhergehenden Bildstürmerei abgebrochen. Zur Erneuerung des Heiligenkultes kam es mehr als zwei Jahrhunderte später im Zusammenhang mit der Rekatolisierung Böhmens. Diese erreichte ihren Höhepunkt im 18. Jahrhundert, in dem unser Land in ein streng katholisches verwandelt wurde. Der Marienkult, der in jenem Zeitraum ungeahnte Ausmaße angenommen hatte, kam in der Errichtung großer, öffentlich zugänglicher Kirchen, in der großen Anzahl von Mariensäulen und Wallfahftsorten zum Ausdruck, Denkmälern also, von denen auf dem Territorium Böhmens und Mährens über dreihundert erhalten geblieben sind. Die größte Verehrung galt dem hl. Johannes von Nepomuk. Eine Skulptur dieses sogenannten Brückenheiligen darf auf keiner tschechischen Brücke und keinem Dorfplatz fehlen.
Doch bei weitem sind nicht alle kirchlichen Baudenkmäler bis in unsere Zeit erhalten geblieben - eine Tatsache, die von den vielen Kriegen uned Bränden, von denen die böhmischen Länder heimgesucht worden waren, verschuldet wurde. Noch größere Schäden aber hat die Regierungszeit Kaiser Josefs II. am Ende des 18. Jahrhunderts gebracht, in der unzählige Kirchen entweiht, Wallfahrten untersagt, Klöster und andere sakrale Denkmäler zweckentfremdet wurden. Einen weiteren Schicksalsschlag erlitten die tschechischen Sakraldenkmäler durch die vierzig Jahre des kommunistischen Regimes. Das Desinteresse und Unverständnis, die von den kommunistischen Machthabern an den Tag gelegt wurden, ließen Hunderte kirchliche Denkmäler verkommen, etliche wurden sogar zerstört. Gegenwärtig wird daran gearbeitet, die baufällig gewordenen Denkmäler zu rekonstruieren und die traditionreichen Wallfahrten und Marienfeste zu erneuern.

Die aus historischer Sicht bedeutendsten und bekanntesten sakralen Denkmäler wurden in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen (Kutná Hora, der historische Stadtkern von Prag, die Gärten von Kroměříž, der Grüne Berg). Mehr dazu in der Rubrik Regionen.

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Jüdische Denkmäler
Die Juden begannen in den böhmischen Ländern im 9. Jahrhundert sesshaft zu werden, ihre eigenständige Tradition blieb an vielen Orten in Böhmen und Mähren lebendig. Die tausendjährige Anwesenheit dieser zwar nicht besonders starken, kulturell aber außerordentlich ausgeprägten Kommunität konnte nicht liquidiert werden, ohne Spuren zu hinterlassen. Ghettos, Synagogen, Friedhöfe, Bücher, Manuksripte und Kunstgegenstände blieben erhalten, zahlreiche Denkmäler sind jedoch spurlos verschwunden.

Jüdische Denkmäler wurden schon im 11. und 12. Jahrhundert während der Kreuzzüge von Fanatikern zunichte gemacht, andere wurden nach Pogromen oder anlässlich der Verbannung jüdischer Bevölkerung aus einigen Städten zerstört. Beginnend mit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden jüdische Selbstverwaltungen ins Leben gerufen, die bisherige Rassen-Segregation wurde annuliert, die einstigen jüdischen Stadtviertel wurden entweder abgerissen oder umgebaut und modernisiert. Als ein einzigartiges Beispiel dessen, wie sie ausgesehen haben, gilt das große jüdische Stadtviertel der mährischen Stadt Třebíč, dessen ursprüngliches städtebauliches Konzept aus dem Mittelalter, einschließlich der beiden Synagogen und des jüdischen Friedhofs, bis in unsere Zeit erhalten blieb. Später wurden jüdische Objekte im großen Umfang von den Nationalsozialisten zerstört, ein nicht geringer Teil der Schäden, die den jüdischen Denkmälern zugefügt wurden, sind dem fehlenden Interesse der Gesellschaft in der Zeit des Kommunismus zuzuschreiben.

Bei den ersten Synagogen auf dem heutigen tschechischen Territorium handelte es sich offenbar um einfache Blockhäuser. Eines von ihnen wurde in späterer Zeit zu einem Wohnhaus umgebaut und steht noch heute in der Gemeinde Vlachovo Březí. Beginnend mit dem Mittelalter wurden die Blockbauten sukzessive von gemauerten Objekten ersetzt. Als der älteste erhaltene gemauerte jüdische Bau wird die gotische, aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammende Altneu-Synagoge zu Prag eingestuft. Ferner gehören im gotischen und Renaissancestil gehaltene Bauwerke hierzu (Pinkas-Synagoge und Hohe Synagoge in Prag, Synagogen in Dolní Kounice bei Brünn und in Holešov). Was die im Barock und Rokoko gehaltenen jüdischen Bauwerke anbelangt, so soll auf die Synagoge in Boskovice hingewiesen werden. Auf dem Territorium der Tschechischen Republik kann man klassizistische und Empire-Bauten entdecken, am häufigsten vertreten sind jedoch solche Synagogen, die, wie zum Beispiel die Maisl-Synagoge in Prag, in historisierenden Baustilen errichtet worden sind. Doch es sollte darauf hingewiesen werden, dass auch Synagogen mit Jugendstil-Elementen, Synagogen im maurischen Stil sowie auch funktionalistische Synagogen in Tschechien vertreten sind. Kubistische Elemente zeichnen die Synagoge in der südböhmischen Stadt Milevsko aus. Die neueste Synagoge wurde in den Jahren 1937-1938 in der Stadt Kamenice nad Lipou errichtet.

Gegenwärtig befinden sich in der Tschechischen Republik über 200 erhalten gebliebene Synagogen, von ihnen dienen nur zwei Synagogen in Prag (die Altneusynagoge und die Jubiläumssynagoge) und eine in Brünn dem Gottesdienst.

Das Prager Jüdische Museum wurde im Jahre 1906 ins Leben gerufen (www.jewishmuseum.cz). In dem unweit von Litoměřice gelegenen Terezín (Theresienstadt) kann die ständige Exposition des Ghetto-Museums besichtigt werden (www.pamatnik-terezin.cz).



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